Aufmerksamkeit vs. Print im digitalen Zeitalter
Too long, didn’t read. Das ist die Kurzfassung für unseren heutigen Umgang mit Inhalten. Wir scrollen, überfliegen, speichern für später, aber kommen oft nie zurück. Inhalte werden zunehmend passiv konsumiert, nicht aktiv erfasst. Das verändert, wie wir kommunizieren. Und es hat längst Auswirkungen auf Grafikdesign – digital wie gedruckt.
Soziale Medien haben unsere Wahrnehmung umtrainiert: Inhalte müssen sofort funktionieren oder sie verschwinden im Strom der Beiträge. Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne liegt heute unter zehn Sekunden. In den ersten zwei bis drei Sekunden entscheidet sich, ob jemand innehält oder weiterscrollt.
Was in dieser kurzen Zeit wirkt? Nur etwas, dass auf visueller Ebene triggert. Mit Chance steigt dann der ein oder andere auf mehr ein.
Diese Logik prägt nicht nur Social Media, sondern inzwischen auch Webseiten, Newsletter und gedruckte Medien.
Was das konkret bedeutet
Bei der Gestaltung von Social-Media-Assets wie auch bei Printprodukten zeigt sich sehr deutlich: Inhalte müssen radikal klar, schnell erfassbar und visuell geführt sein.
Das heißt:
Längere Inhalte müssen portioniert werden – in klar erkennbare Abschnitte, damit sie nicht überfordern
Texte brauchen Einstiege, die sofort tragen, nicht erst nach dem dritten Absatz
Gestaltung muss beim schon beim Überfliegen liefern, nicht nur beim intensiven Lesen
jedes visuelle Element muss eine Aufgabe erfüllen: lenken, erklären oder stoppen
TL;DR ist eine reale Anforderung, die von Grafikdesign heute berücksichtigt werden muss.
Heißt das, klassisches Printdesign funktioniert nicht mehr?
Kann sein, denn wir haben lange eine massive Überproduktion erlebt. Gefühlt jedes Thema hatte ein eigenes Magazin. Jeder kleine Inhalt wurde immens aufgebauscht, aber nur als Nachbarfläche für Werbung. Unsere Branche hat sich stellenweise selbst kannibalisiert. Nicht alles muss gedruckt werden. Nicht jeder Inhalt trägt Papier.
Und andererseits nein, weil Print dort immernoch stark ist, wo die digitale Welt an ihre Grenzen stößt. Wichtig bleibt, dass man seine Zielgruppe kennt, und was sie erwartet.
Print als bewusste Entscheidung
Viele Kund:innen kommen mit sehr konkreten Zielen auf mich zu: Jubiläen, besondere Projekte, Meilensteine. Sie wünschen sich wertige Materialien, gutes Papier, eine Gestaltung, die ihren Stolz quf etwas widerspiegeln.
Diese Drucksachen werden zum Repräsentieren entwickelt, auf Veranstaltungen mitgenommen, Politiker:innen überreicht. Das leistet keine Website.
Wenn ich ein gut gemachtes Printprodukt in die Hand nehme, spüre ich das Gewicht. Das Papier. Die Sorgfalt.
Aus aufwendig gestalteten Printinhalten wird dann wiederum hochwertiger digitaler Content entwickelt. Zitate, Ausschnitte, Visuals, Zusammenfassungen – alles findet im digitalen Raum eine größere Verbreitung. Print wird so zur Quelle, Online zum Multiplikator.
Fazit
Kenne dein Publikum. Nicht alles muss auf Papier kommuniziert werden.
Aber wenn Inhalte in gedruckter Form erscheinen, dann bewusst und hochwertig. Gedruckte Medien können so ein strategisches Medium in einer digitalen Welt darstellen.
Ich bewege mich zwischen beiden Welten. Und genau dort begleite ich meine Kund:innen bei den entscheidenden Fragen: Was braucht Tempo? Was braucht Tiefe? Und wie erreichen wir den größten Nutzen?