Ein Mann schaut besorgt unter einem aRegenschirm hervor

KI-generierte Bilder zwischen Ablehnung, Neugier und professioneller Verantwortung

Wer heute mit KI-generierten Bildern arbeitet, bewegt sich in einem Spannungsfeld, das weniger technisch als kulturell geprägt ist. Die Diskussion um Künstliche Intelligenz in der Gestaltung ist emotional aufgeladen, weil sie grundlegende Fragen berührt. Es geht um Autorschaft, um Kontrolle und um die Wertschätzung kreativer Arbeit.

In meiner Arbeit als Gestalterin erlebe ich diese Ambivalenz regelmäßig. KI wird zugleich als Chance und als Bedrohung wahrgenommen. Diese widersprüchlichen Haltungen schließen sich nicht aus. Sie existieren oft parallel, auch in mir selbst.

Viele Reaktionen auf KI-Bilder entstehen nicht aus dem Bild selbst, sondern aus der vermuteten Entstehungsgeschichte. Ob ein Bild als inspirierend oder als problematisch wahrgenommen wird, hängt häufig weniger vom Ergebnis ab als von der Annahme, wie viel menschliche Entscheidung darin sichtbar wird.

Ein verbreiteter Irrtum besteht darin, KI als Ersatz für Kreativität oder gestalterische Kompetenz zu begreifen. Diese Vorstellung reduziert das Bild auf ein automatisiertes Produkt und blendet den Prozess aus. Skepsis gegenüber KI ist unter dieser Annahme nachvollziehbar.

Meine Erfahrung zeigt jedoch ein anderes Bild. KI liefert keine Qualität auf Knopfdruck. Die große Menge austauschbarer, visuell reizüberladener KI-Bilder im Netz ist dafür ein deutlicher Beleg. In professionellen Kontexten ist KI kein autonomes System, sondern ein Werkzeug, dessen Ergebnisse maßgeblich von Steuerung, Erfahrung und gestalterischer Haltung abhängen. Also von uns Gestaltern.

Ablehnung gegenüber KI verschwindet dadurch nicht. Und wenn sie da ist, kann es laut werden.

Ob ein öffentlicher Konflikt entsteht, hängt stark vom Kontext ab. Entscheidend sind Zielgruppe, Einsatzumfeld und Kommunikation. Ebenso relevant ist die Frage, ob der Einsatz von KI mit den Werten der jeweiligen Marke oder Person vereinbar erscheint.

In kulturellen, journalistischen oder sozialen Kontexten ist diese Abwägung besonders sensibel. In anderen Bereichen wird KI zunehmend als selbstverständliches Werkzeug akzeptiert, sofern Qualität, Transparenz und Verantwortung erkennbar bleiben.

Für mich ist KI kein Mittel zur Abkürzung. Sie ist Teil eines gestalterischen Prozesses. Bildgenerierung ist experimentell, zeitaufwendig und nicht automatisch kostengünstig. Diese Realität offen zu kommunizieren, ist Voraussetzung für tragfähige Zusammenarbeit.

Eine bewusste Selbstverortung ist dabei zentral. Wer mit KI arbeitet, sollte sich über die eigene Haltung im Klaren sein und diese nachvollziehbar nach außen vertreten. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Einordnung.

KI ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug zur Visualisierung von Konzepten innerhalb eines größeren kreativen Zusammenhangs.

Ein Shitstorm ist kein Automatismus. Er entsteht aber genau dort, wo Unsicherheit auf Intransparenz trifft. Ein reflektierter, kontextsensibler Umgang mit KI ist daher weniger eine technische als eine professionelle Haltung.

Klarstellung

Ich teile definitiv die Sorgen vieler bildschaffender Kolleg:innen. Die Entwicklung zahlreicher KI-Modelle basiert auf problematischen Trainingspraktiken. Auch die aktuelle rechtliche Lage zu Urheberrechten an KI-generierten Bildern ist aus meiner Sicht für die Zukunft unzureichend.

KI wird dennoch Teil unserer Arbeitsrealität bleiben. Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir sie nutzen, sondern unter welchen Bedingungen.